Über Brandmauern und Blaupausen: Nächstes Jahr feiere ich mein 60-jähriges Jubiläum in der Baubranche und wundere mich immer wieder, warum Politiker Begriffe aus unserem Bereich falsch verwenden.
Blaupausen: Dieser Begriff wird oft als Synonym für Muster verwendet, dabei sind Blaupausen lediglich Kopien. Die Originale waren Transparentzeichnungen oder "Mutterpausen". Blaupausen (Lichtpausen) sind also nicht geeignet, um als Muster-Vorlagen zu dienen. Heute ist es schon schwierig, ein Kopierzentrum zu finden, die noch Lichtpausen erstellen.
Brandmauern: Liebe Politikerinnen und Politiker, bitte sucht euch eine andere Metapher als "Brandmauer" für politische Abgrenzungen. Laut Landesbauordnungen heißt es korrekt "Brandwand", da diese Wand nicht nur gemauert, sondern z.B. auch aus Beton bestehen kann. Viele Brandwände, besonders in komplexen und großen Gebäuden, haben Öffnungen, die aus betrieblichen Gründen notwendig sind. Ein ganzer Industrie- und Handwerkszweig lebt davon, diese Öffnungen im Brandfall sicher zu schließen. "Brandmauern" sind also sehr oft temporär durchlässig 😉 Im Brandfall machen wir dann die Schotten dicht, aber das kommt eher aus der Schifffahrt 😉

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Dr. Peter Meier (Montag, 06 April 2026 20:59)
Lieber Herr Reimann,
Wir haben mit unserer (deutschen) Sprache oft Schwierigkeiten mit der Eindeutigkeit der Ausdeutung von Begriffen. Insbesondere bei der Übertragung von Begriffen von einem Zusammenhang auf einen anderen Zusammengang.
Desdrum ... immer wieder Definitionen, Erklärungen und Beispiele zu Begriffen und ihre Verknüpfung mit Sachen, Personen, Sachverhalten, Personenverhalten und hybriden Sach-/Personen-Verhalten.
pm
Norbert Reimann (Montag, 01 Juni 2026 08:36)
Nachfolgenden Text hatte ich in einigen soz. Medien veröffentlicht:
Warum die „Brandmauer“ als politische Metapher nicht trägt
Liebe Politikerinnen und Politiker,
bitte überdenken Sie die Metapher der „Brandmauer“ für politische Abgrenzungen.
Aus bauordnungsrechtlicher Sicht ist der Begriff unpräzise. In den Landesbauordnungen spricht man korrekt von „Brandwand“ – und das aus gutem Grund: Diese besteht nicht zwingend aus Mauerwerk, sondern häufig aus Beton oder anderen geeigneten Baustoffen. Vor allem aber sind Brandwände in der Praxis keineswegs vollständig geschlossen.
In komplexen Gebäuden sind Öffnungen oft notwendig – aus funktionalen und betrieblichen Gründen. Türen, Tore und Durchführungen ermöglichen Nutzung und Betrieb. Ein ganzer Industriezweig sorgt dafür, dass diese Öffnungen im Brandfall zuverlässig gesichert werden. Das heißt: Im Alltag sind Brandwände häufig durchlässig, ihre Schutzwirkung entfalten sie erst im Ereignisfall.
Die „Brandmauer“-Rhetorik richtet sich nicht an die Wähler, sondern an Parteien: Es soll klar sein, wer nicht zusammenarbeitet und welche Koalitionen ausgeschlossen sind. Genau hier wird das Bild aber problematisch.
Übertragen auf die Politik ergibt sich daraus eine zentrale Frage: Wenn Parteien „unüberwindbare Mauern“ ziehen, was passiert dann mit den Wählerinnen und Wählern, die zwischen den Lagern stehen, wandern, wechseln oder zurückkehren wollen? Eine Metapher, die nur von dauerhafter Trennung spricht, lässt keine Rückkehroption für Wähler zu.
Das Bild der „Brandwand“ ist fachlich korrekt, aber weniger anschaulich. Das Bild der „Schotten“ aus der Schifffahrt ist dagegen anschaulicher – und es gibt dafür sogar ein passendes Verb: „abschotten“. Schotten sind im Normalbetrieb geöffnet, weil sonst kein Arbeiten möglich wäre. Im Gefahrenfall werden sie geschlossen – gezielt und situationsbezogen.
Das beschreibt politische Realität besser als die Vorstellung einer dauerhaft geschlossenen Barriere: kontrollierte Übergänge statt vollständiger Abschottung – auch für Wähler, die sich bewegen, prüfen, abwägen und womöglich zurückkehren.
Mein Vorschlag eines „Plusminus-Wahlsystems“ zielt genau in diese Richtung: Es eröffnet den Wählern die Möglichkeit, nicht nur Zustimmung auszudrücken, sondern auch gezielt abzulehnen. Damit wird Beteiligung auch dort möglich, wo sich viele heute innerlich oder tatsächlich zurückgezogen haben. Vielleicht liegt gerade darin eine Chance, verlorene Wähler wieder in den politischen Prozess einzubinden, anstatt sie dauerhaft auf der anderen Seite einer gedachten Mauer zu belassen.
Weiterführend:
www.memoblog.de/2025/01/27/brandmauern-und-blaupausen/
www.memoblog.de/2025/01/18/plusminus-wahlsystem/